Wo Europa nichts Abstraktes mehr ist - CDU-Kandidat Burkhard Balz besucht die Firma Kartoffel Deyerling in Dollbergen

Jörg Otte (rechts) zeigt Hans-Hermann Brockmann (von links), Burkhard Balz, Dirk Rentz und Marion Gellermann seinen Dollbergener Betrieb Kartoffel DeyerlingBurgdorf. Es ist nicht leicht für Europapolitiker, derzeit Wahlkampf zu führen. Die Bundestagswahl überschattet vieles - "ich hätte es schon lieber, wenn wir einen eingenständigen Wahlkampf führen könnten", sagte Burkhard Balz, Kandidat der CDU für die Euopawahlen am 7. Juni. Da gehört ein Termin wie bei der Firma Kartoffel Deyerling GmbH in Dollbergen zu den angenehmeren.

Denn hier ist die EU nichts Abstraktes, was den Wählern nur mühsam nahezubringen ist, sondern etwas sehr Konkretes: Die neue Großlagerhalle mit Kühlanlage ist mit EU-Geld gefördert worden. "Hier ist Europa direkt vor Ort angekommen", sagte Balz und weiter mit Blick auf Firmeninhaber und Geschäftsführer Jörg Otte: "Und hier gibt es einen gutgelaunten Firmeninhaber, der offensichtlich zu denjenigen gehört, die auch in Krisenzeiten vernünftige Absatzzahlen haben." Wie viel EU-Geld und wie viel Eingeninvestitionen in der Halle stecken, war bei dem Besuch nicht zu erfahren, bei dem der Firmenchef Burkhard Balz ebenso durch den Betrieb fürhte wie den Gemeindeverbandsvorsitzenden der CDU, Dirk Rentz, die CDU-Ratsmitglieder Hans-Hermann Brockmann und Marion Gellermann sowie die Dollbergener CDU-Ortsrätin Elfriede Möhle.

Die weitgehenden Entscheidungsbefugnisse des Europäischen Parlaments, sei es beim Verbraucherschutz oder bei Fördergeld, sind viel größer als es die üblicherweise niedrige Wahlbeteiligung bei Europawahlen vermuten lassen könnte. "Wir gucken immer mit einem Auge auf die Europapolitik, weil das für uns die Zukunft ist", sagte Otte.

Balz sieht noch zwei weitere zwingende Gründe für die Wähler, am 7. Juni ihre Stimme abzugeben: die Globalisierung und die Finanzkrise. Die europäischen Staaten könnten sich nur gemeinschaftlich neben riesigen Wirtschaftsräumen wie USA, Russland, China oder Indien behaupten. Außerdem gelte es, die Auswüchse zu beseitigen, die zur Finanzkrise geführt hätten: "Hier sind schwere Fehler in der Finanzbranche begangen worden und hier wird nichts so bleiben, wie es gewesen ist - und das wird nicht einzelstaatlich zu lösen sein", sagte Balz. Der hauptberuflich als Banker arbeitende Balz macht sich dafür stark, "das freie Spiel der Kräfte stärker zu regulieren". Hier könnten Deutschland und Frankreich Vorreiter sein, zügellose Marktmechanismen in engere Bahnen zu lenken, wobei sie sich gegen angelsächsische Widerstände durchsetzen müssten, glaubt Balz. Aber "das ist aus meiner Sicht auch notwendig".

Sollte er gewählt werden, wolle er verstärkt Schulen aufsuchen, um bei Jungendlichen Interesse für Europa zu wecken, sagt er. Denn bei jungen Menschen gebe es da noch Nachholbedarf. Ottes Kommentar aus dem Stegreif: "Wenn Sie in Schulen gehen, dann nehmen Sie bitte Kartoffeln mit."

Verfasst am 28.05.2009 von Eike Brunhöber, Anzeiger Lehrte/Burgdorf

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